12 Jahre Mathematik-Olympiade, 12 Bundesrunden Mathematik-Olympiade

von Inge Hachtel

Im Jahre 1994 las ich zufällig in der MNU-Zeitschrift, dass Herr Lowinski, später der erste Vorsitzende des Landesverbandes Mathematik-Wettbewerbe NRW e.V., Mitarbeiter sucht. Die Mathematik-Olympiade, die in Ostdeutschland eine lange Tradition hatte, war nach der Wende in Gefahr geraten. Sie wurde durch die Gründung des Mathematik-Olympiade-Vereins Rostock aufgefangen, und die westdeutschen Bundesländer waren aufgefordert mitzumachen.

So begann ich hier im Rhein-Sieg-Kreis eine Förderung mathematisch Begabter aufzubauen und Kreiswettbewerbe zu organisieren. Im September 1995 lud ich Schüler aus ganz NRW zu einem "Mathe-Tag" nach Siegburg ein. Einige Monate später kam es dann zu dem ersten mehrtägigen Mathe-Wochenende in Münster zur Vorbereitung auf die Bundesrunde 1996 in Hamburg. Seitdem begleite und betreue ich die Mannschaft NRW bei den Bundesrunden und organisiere Vorbereitungswochenenden, bisher meist in der Jugendherberge Bad Honnef.

Denker Nach Hamburg zur 35ten Bundesrunde sollte ich eigentlich gar nicht mitfahren. In der Bezirksregierung Köln war man der Meinung, dass aus NRW zu viele Lehrer anreisen wollten, und so wurde mir eine offizielle Einladung verwehrt. Herr Lowinski löste das Problem auf seine Weise. Er blieb "offiziell" zu Hause und überließ mir seinen Platz.

Hamburg war nicht die erste Bundesrunde, an der sich NRW beteiligte. NRW war schon im Jahr davor in Freiberg unter der Leitung von Herrn Platzbecker dabei gewesen.

Mit dem Ergebnis der Bundesrunde 1996 in Hamburg waren wir "Neulinge" sehr zufrieden. 6 Preise und 5 Anerkennungen. Mehr konnten wir wohl kaum erwarten. Auch 1997 mit der Bundesrunde in Essen war für uns ein gutes Jahr, 7 Preise insgesamt, erste Preise für Jörn Gollisch, sicher einer der begabtesten jungen Mathematiker, die ich kennen gelernt habe, und für Daniel Herden, damals in der Klasse 10.

2008 in Potsdam war nicht "unser Jahr". Es begann damit, dass ich auf der Hinfahrt im Zug in Hamm Jan-Peter Siedlarek vermisste. Er hätte eigentlich in Dortmund zusteigen müssen.
Ich konnte ihn auch nicht sofort anrufen, da ich alle Telefonnummern dabei hatte, nur die von Jan-Peter nicht. Es gelang mir dann doch zu telefonieren und musste mir erstaunt anhören, dass auf der Einladung an Jan-Peter ein falsches Datum stand. Da müssen mysteriöse Dinge passiert sein. Auf 12 Kopien war das Datum richtig, auf der 13. war es falsch. Jan Peter schaffte es dann noch, nachts um 1.30h bei uns einzutreffen und wurde von Holger Reeker eingewiesen und betreut.
Vorher war jedoch noch ein anderes Problem zu bewältigen: Daniel Herdens Brille war kaputt, konnte aber mit Hilfe einer Büroklammer und Hansaplast fachmännisch repariert werden.
Das Durchschnittesergebnis für NRW in Potsdam war nicht schlecht, aber nur 3 Preise waren schon "mager".
Die nächsten Jahre waren wieder besser. 6 Preise in Rostock, darunter ein erster Preis für Daniel Herden, 5 Preise in Berlin, darunter ein erster Preis für Philipp Lampe.

2001 in Magdeburg konnten zwei Schüler zum ersten Mal teilnehmen, die auch in den folgenden Jahren immer wieder erfolgreich waren: Lennart Meier und Paul Jonas Hamacher.

Lennarts Erfolge: 1. Preis 2001 in Magdeburg, 1. Preis 2002 in Hamburg, 3. Preis 2003 in Bremen, 3. Preis 2004 in Essen.
Pauls Preise: 1. Preis 2001 in Magdeburg, 2. Preis 2002 in Hamburg, 1. Preis 2003 in Bremen, 1. Preis 2004 in Essen, 2. Preis 2005 in Saarbrücken und 1. Preis 2006 in München.
Erwähnt werden sollte auch Michael Sinsbeck: 2. Preis in Magdeburg, 3. Preis in Hamburg, 3. Preis in Bremen, 1. Preis in Essen.

Mathe-OlympionikenAlle drei haben inzwischen die Schule mit dem Abitur erlassen. Paul war erwachsen geworden. Wir mussten uns nicht mehr sorgen, dass er verloren ging. In Madgeburg, Paul war damals in der Klasse 8, hörte man immer wieder "wo ist Paul?". Versunken in Dinge, die ihn faszinierten, bekam er selten mit, wenn unsere Gruppe weiter ging. In Henrik Rüping hatte er aber einen aufmerksamen Aufpasser, und so ging er uns nicht verloren.

In den letzten beiden Jahren gelang es der Gruppe NRW in die Spitze der 3 erfolgreichsten Bundesländer aufzusteigen. 2006 in München: Im Zug auf der Rückfahrt rechnete Daniel Herden so lange, bis er zu dem Ergebnis kam: NRW war besser als Bayern. Die Bayern sahen das anders, aber mit 7 Preisen, darunter erste Preise für Simon Buchholz und Paul Jonas Hamacher, war uns Platz 3 sicher. Ähnlich erfolgreich verlief die 46te Mathematik-Olympiade 2007 in Karlsruhe. 7 Preise, darunter erste Preise für Daniel Papendorf und Simon Buchholz. Außer Simon und Daniel sind Bach-Huy Tran (Klasse 9) und Jens Reinhold (Klasse 11) Hoffnungsträger für die nächsten Jahre.

Aber es kommt ja nicht nur auf die Preise an. Für uns alle ist eine Fahrt zur Bundesrunde immer wieder ein Erlebnis, auch für mich selbst. Und unsere "Ehemaligen" fahren mit als Korrektoren. Kaum ein anderes Bundesland bringt so viele junge Korrektoren mit wie NRW. Sie bleiben uns treu. Ein gutes Zeichen!

zurück!